Das PT-Magazin möchte zukünftig seine Leser zum Thema Frauen in Führungspositionen informieren. Es freut mich sehr, dass wir nun eine breitere Öffentlichkeit erhalten um junge Frauen zu motivieren und gestandene Chefs zu sensibilisieren.

Deshalb veröffentliche ich in einer Kolumne nun monatlich einen Beitrag über die Herausforderungen von Karrierefrauen.

Eine Aufstellung der einzelnen Berichte findest Du hier:

August 2019 – Der Frauenversteher

Der Frauenversteher https://www.pt-magazin.de/de/wirtschaft/unternehmen/der-frauenversteher_jzuwuss2.html

Ob Frauenquote, Fachkräftemangel oder gute Leistungen – der Aufstieg der Frauen in die Chefetagen erfolgt nur sehr langsam. Das Unternehmen, welches für die Zukunft gerüstet sein will, muss aber spätestens jetzt seinen Fokus im Personalmanagement auf die weiblichen Kollegen richten. Auch wenn es dazu Einfühlungsvermögen bedarf, welches Mann so nicht gewöhnt ist. 

Frauen in Führungspositionen sind weiterhin sehr unterrepräsentiert und bilden oftmals die Ausnahme. Trotz öffentlicher Diskussion lag der Frauenanteil in Vorständen der DAX-Unternehmen im letzten Jahr bei nur 13,8%. Ein ähnliches Bild bietet der Mittelstand. Hier ist nur jede fünfte Führungskraft weiblich. Internationale Studien aus Schweden und Amerika zeigen allerdings, dass Unternehmen mit beiden Geschlechtern in der Chefetage profitabler arbeiten. Betrachtet man zusätzlich den leer gefegten Personalmarkt, ist das Fördern von Frauen eine Pflicht für jedes Unternehmen, das die nächsten 15 Jahre überleben will.

Hört man genauer hin, sind es nicht nur die typischen Gründe, wie Familienplanung, Teilzeit oder die starren, altmodischen Strukturen, welche den Aufstieg der Frauen verhindern. Viele (männliche) Chefs beklagen sich oft, dass die potenziellen Kandidatinnen sich oftmals selbst im Weg stehen. Da ist dann die Rede von mangelndem Selbstbewusstsein, Zweifeln obgleich des neuen Aufgabenbereichs oder fehlendem Ellenbogenausfahren.

Dazu muss man wissen, dass Frauen im Beruf – genauso wie privat – entdeckt werden möchten. Zweimal wöchentlich dem Chef die eigene tolle Leistung mitzuteilen (und dabei die gemachten Fehler zu verschweigen) liegt nicht im Sinne vieler Frauen. Sie möchten lieber ihre Ergebnisse sprechen lassen. Schließlich erkennt der Chef daran am besten, wie gut sie sind.

Dass diese Art der Selbstvermarktung allerdings oftmals nicht für den nächsten Karriereschritt ausreicht, verstehen viele Frauen nicht. Wird dann auch noch der, ihrer Meinung nach ungeeignetere, Kollege befördert, führt dies oft zu Demotivation. Ein jähes Ende der Karriereplanung kann folgen.

Was viele Frauen vergessen und die männlichen Chefs übersehen, ist, dass neben guter Arbeitsleistung auch bestimmte Charaktereigenschaften eine wichtige Rolle für die Neubesetzung einer Führungsposition spielen. Durchsetzungskraft, Willensstärke oder eine hohe Belastbarkeit werden immer wichtiger, je höher man auf der Karriereleiter steht. Ob diese Eigenschaften bei einer Frau vorhanden sind, die nur ihre Ergebnisse sprechen lassen möchte und dadurch eher zurückhaltend wirkt, wird vom Chef zumeist bezweifelt. Deshalb wählt er die sichere Variante und befördert den männlichen Kollegen, der ihm bereits von einigen schwierigen aber erfolgreichen Verhandlungen berichtet hat.

Liebe Chefs, obwohl nicht immer sofort sichtbar, haben auch Frauen alle benötigten Eigenschaften um erfolgreich zu Führen. Evolutionsbedingt sind sie es nur nicht gewöhnt, ihre Stärken in den Mittelpunkt zu rücken. Deshalb schauen Sie genauer hin:

Welche (unscheinbare) Mitarbeiterin überzeugt schon länger mit guter Leistung? Was sind die beruflichen Ziele meiner Mitarbeiterinnen? Oftmals sind diese gar nicht bekannt. Man(n) ging bisher davon aus, dass sich potenzielle Führungskräfte von allein bemerkbar machen.

Deshalb setzen Sie sich zusammen und zeigen ihr, dass Sie mit ihr planen. Frauen können sehr objektiv über ihre Stärken und Schwächen reden. Geben Sie einen Einblick auf Ihre Sicht der Dinge. Das (teils ungewohnte) Gefühl Unterstützung für die eigene Karriere zu erhalten, bekräftigt ungemein und spornt an, auch die letzten Defizite und Schwächen zu beseitigen. Und wenn doch der ein oder andere Zweifel seitens der potenziellen Karrierefrau geäußert wird, helfen Sie ihr.

Durch diese Art der Führung machen Sie sich nicht nur zum Frauenversteher, auch die daraus resultierenden Ergebnisse werden sie überzeugen, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Und es gibt weitere Vorteile. Studien haben gezeigt, dass sich ein hoher Frauenanteil in Führungspositionen eines Unternehmens positiv auf das Nachrücken weiterer Frauen auswirkt.

Das sollten sich Unternehmen zunutze machen, die zukünftig Frauen fördern wollen. Denn eins ist klar: Wer nicht fördern möchte, wird es über kurz oder lang trotzdem müssen!


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