„Frauen müssen sich gegenseitig unterstützen!“

Als 18 Jährige beschließt Monica Mejia Pocasangre ihr Heimatland El Salvador zu verlassen um in Deutschland ein Studium zu beginnen. Heute, sieben Jahre später, ist Monica bei der Mediaagentur adlicious als Senior Marketing Managerin tätig. Ihr Tätigkeiten umfassen u.a. das Brand Marketing und Brand Innovation. In ihrem Job ist sie täglich mit ihrem Team auf der Suche nach neuen Tools und Lösungen für die AdTech-Kunden des Unternehmens.

Im Interview erzählt sie uns, wie sie es geschafft hat in so kurzer Zeit eine Führungsposition in der Tech-Branche einzunehmen. Darüber hinaus nennt sie ihre Favoriten der besten Apps für die erfolgreiche Durchführung digitaler Projekte und erläutert ihre Lösung für ein gutes Arbeitsklima.

FiF: Schildere bitte Deinen Lebenslauf. Wie hast Du es geschafft mit 25 Jahren eine Führungsposition in der Tech-Branche zu besetzen?

Ich bin in El Salvador geboren und aufgewachsen. Dort habe ich bis zu meinem 18. Lebensjahr eine deutsche Schule besucht. Im Anschluss bin ich auf eigene Faust für mein Studium nach Deutschland gezogen. Mein BWL-Studiengang hatte den Schwerpunkt „International Marketing“. Für den Master habe ich mich auf den Bereich Wirtschaftspsychologie spezialisiert. Dort lag der Fokus auf der Konsumentenpsychologie, was in der Werbebranche ein wichtiger Aspekt ist. Beide Studiengänge habe ich schnell abgeschlossen.

Was bisher meinen Werdegang geprägt hat, waren nicht mein Geschlecht, Alter oder Herkunft, sondern die Art und Weise wie ich Dinge mache: mit Leidenschaft. Diese Leidenschaft war schon immer meine geheime Zutat, die mich zum Erfolg geführt hat. So konnte ich auch das Vertrauen von meinen Chefs gewinnen, die mich im direkten Anschluss an mein Masterstudium als Senior Marketing Manager eingestellt haben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass man mehr als 100% schaffen und erreichen kann, wenn man mehr als 100% leistet. Meine Leidenschaft ermöglicht es mir diese Extraprozente zu geben.

FiF: Du bist mit 18 Jahren für das Studium nach Deutschland gezogen. Welche Hindernisse gab es zu Beginn?

Zu Beginn musste ich schnell lernen, wie man sich einer neuen Kultur anpasst und in einer neuen Umgebung zurechtfindet. Vor allem das Thema Pünktlichkeit wird in Südamerika ganz anders interpretiert als in Deutschland. Als ich mein Studium in Deutschland begann, wollte ich bei den Vorlesungen immer in der ersten Reihe sitzen. Ich war allerdings immer zu spät, obwohl ich das Gefühl hatte „extrem früh“ da zu sein. Ein guter Freund hat mir dann erklärt, dass drei Minuten vor Beginn der Vorlesung nicht „extrem früh“, sondern „rechtzeitig“ sind.

Das und noch viele andere Situationen haben mir gezeigt, wie unterschiedlich Wörter und Situationen interpretiert werden können und die Kultur eines Landes prägen. Wenn man neu in einem Land ist, muss man die Menschen ganz genau studieren und verstehen, wie sie ticken. Das kann kein Buch und keine Dokumentation vermitteln.

FiF: Die Tech-Branche ist eigentlich eher männerdominiert. Welche Eigenschaften siehst Du als elementar an um auch als Frau darin erfolgreich zu sein? Gibt es „typisch“ deutsche Eigenschaften?

Männer und Frauen haben beide das Potenzial in der digitalen Welt erfolgreich zu sein. Was Frauen oftmals jedoch fehlt, ist das Vertrauen in sich selbst und in die eigenen Fähigkeiten. Wichtig ist ein selbstbewusstes Auftreten. Man darf sich selbst keine Grenzen setzen oder sich selbst einschränken, indem man denkt, dass Andere etwas besser können oder besser qualifiziert wären. Positives Denken und Risikofreudigkeit helfen dabei die Karriere voranzutreiben und die Tech-Branche zu erobern.

Während meines Studiums habe ich einige typisch deutschen Eigenschaften erworben und adaptiert, die sich positiv auf meine Karriere ausgewirkt haben. Dazu zählt u.a. ein zielorientiertes, ressourcenbewusstes und zukunftsweisendes Denken. Zudem verfolge ich in meinem Beruf eine sehr direkte Kommunikation und bin sehr effizient. In meinem Privatleben bin ich anders und lebe meine lateinamerikanischen Eigenschaften weiterhin aus. Dieser Mix macht meine Persönlichkeit besonders.

FiF: Gab es trotz oder gerade wegen Deines Erfolgs Situationen, in denen du zu spüren bekommen hast, dass Männer und Frauen im Beruf nicht gleich angesehen werden?

Bisher noch nicht. Das sehe ich als großes Glück an und dafür bin ich sehr dankbar. Ganz im Gegenteil habe ich durch mein persönliches und berufliches Netzwerk ständig Unterstützung erhalten und wurde von anderen gefördert, die an mich und meine Fähigkeiten geglaubt haben.

Mein Werdegang hat mir gezeigt, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist. Besonders Frauen müssen sich gegenseitig unterstützen und von Synergien profitieren.

FiF: Du bist Profi in der Tech-Branche. Welche Tools oder Hilfsmittel kannst du (laienhaften) Kolleginnen empfehlen, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten?

Ich bin ein großer Fan von To-Do-Listen. Es gibt mittlerweile viele tolle und funktionale Apps wie Trello und Asana, die dabei helfen digitale Projekte bzw. Digitalisierungsprojekte zu managen. In diesen Tools können Teams alle Dokumente, Kalender und Erinnerungen verwalten und untereinander einfach und transparent aufteilen. So behält man den Überblick und kann Projekte effizient umsetzen.

FiF: Du hast das Thema „Gesprächsführung“ in deiner Studienzeit genauer behandelt. Inwieweit hat dir das Wissen darüber als Führungskraft geholfen bzw. gibt es erfolgreiche Techniken, die du im Alltag anwendest?

In der täglichen Arbeit kann ich vieles aus meinem Studium anwenden. Dazu gehören u.a. die Theorien der gewaltfreien Kommunikation und Tipps für eine konstruktive Feedbackkultur. Am wichtigsten ist, dass man sich in seiner Rolle als Marketing Manager oder auch in anderen Führungspositionen bewusst ist, dass nicht der Job, sondern immer der Mensch im Vordergrund steht. Menschen mit Emotionen, Vorstellungen und Träumen. Auf diese sollte man aktiv eingehen und dadurch ein gutes Arbeitsklima kreieren.

FiF: Es sind noch einige Jahre bis zur Rente. Wo soll dein Weg hingehen? Planst du irgendwann wieder zurück nach El Salvador zu gehen?

Ich plane nicht langfristig und stehe meinen Zukunftsplänen sehr offen gegenüber. Ich weiß nur, dass ich niemals vergessen werde, woher ich komme – ganz unabhängig davon, wohin es mich irgendwann verschlägt. Deshalb versuche ich immer, bei allem was ich mache, etwas an mein Land zurückzugeben. Man darf nicht vergessen, dass El Salvador zu den Entwicklungsländern gehört und auf Hilfe angewiesen ist.

FiF: Letzte Frage: Hast Du ein Produkt/Buch/Hilfsmittel, welches Deinen Arbeitsalltag deutlich erleichtert und Du jeder Kollegin empfehlen würden?

Wie bereits erwähnt, kann ich ohne To-Do-Listen nicht arbeiten. Neben digitalen Tools nutze ich Post-Its. Sie werden sehr unterschätzt. Post-Its sind ein sehr einfaches, aber sehr effektives Werkzeug, um den Alltag zu organisieren.